Letzte Woche wurden wir auf ein Interview mit Nietzsche and the Wagners, die das Konzert, das am
21. Oktober im Atari stattfinden sollte, veranstalten, aufmerksam gemacht. [1] In diesem Interview
hatte sich die Band unter anderem positiv auf Death in June bezogen. Diese gelten als Pioniere des
Neofolk, die auch Zeit ihres Bestehens immer wieder positiven Bezug auf faschistische Ideologien
genommen haben.
Beispiele gefällig? Der Name Death in June bezieht sich wahrscheinlich auf den Todesmonat Ernst
Röhms, der im Juni 1934 wegen eines angeblich bevorstehenden Putschversuches getötet wurde.
Noch dazu nutzt die Band einen SS Totenkopf als Logo. Sänger Douglas Pearce sagt zur
Verwendung dieses Symbols: „Es zeigt den totalen Einsatz. Und es zeigt deinen Feinden, dass sie
nicht toleriert werden“. Neben dieser positiven Bezugnahme auf den deutschen Faschismus bieten
sich mehr als genug Kritikpunkte, weshalb wir nicht verstehen können, wieso sich Menschen, die
sich als anarchistisch bezeichnen positiv auf Bands wie Death in June beziehen. Sei es, dass Pearce
die neofaschistischen kroatischen HOS-Milizen (die sich in Tradition der Faschistischen Ustascha
Bewegung, die im Zweiten Weltkrieg mit den Deutschen zusammenarbeitete, sahen) unterstützte,
dass er in SS Uniform auftrat oder sie das Horst-Wessel-Lied vertont haben [Song: Brown Book].
Ebenfalls erwähnten sie in dem Interview sich auf einem Sonne Hagal Konzert im chemnitzer
Bunker-Club kennengelernt zu haben. Laut Recherchen aus chemnitzer Antifakontexten waren auf
diesem Konzert auch viele offensichtlich erkennbare Nazis. [2] Da sich die Bandmitglieder positiv
auf dieses Konzert beziehen, gehen wir davon aus, dass sie sich an dem Publikum nicht gestört
haben, was aus antifaschistischer Perspektive auf eine rechtsoffene Einstellung schließen lässt.
Weitere Recherchen ergaben, dass Vlad P. auch in der Black Metal Band Darkestrah spielt, die
wiederum sowohl bei No Colours Records, die Platten der NSBM Band Absurd veröffentlichten, als
auch bei Osmose Productions, die den kompletten Backkatalog der NSBM Band Nokturnal Mortum
2011 wiederveröffentlichten, herausbrachten. Darkestrah veröffentlichten 2013 und 2016 Alben
über Osmose.[3]
Dass sich, wie Vlad P. in unserem Gespräch beteuerte, Darkestrah aus politischen Gründen
öffentlich von No Colours Records distanziert hätten, ist in einer einfachen Online-Recherche nicht
nachzuvollziehen. Auch ein angebliches Interview, in dem sich Nietzsche and the Wagners explizit
von rechtem Gedankengut und eben solchen Bands distanzieren würden, und welches man schnell
im Internet finden könne, ist im Gegensatz zum Interview mit Die Seele nicht auffindbar.
Mit Blick auf diese Verstrickungen luden wir die Band letzten Montag zu unserem Plenum ein um
sie mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Doch die Auseinandersetzung mit unserer Kritik endete
leider in einer sehr defensiven Haltung ihrerseits. Anstatt Kritikpunkte einzuräumen begannen
Nietzsche and the Wagners eine lange Diskussion über Musik und Politik unter anderem mit dem
Versuch Politik und Ästhetik als klar trennbar darzustellen. Für uns als Projekt ist jedoch klar:
beides ist nicht zu trennen, außerdem steht der politische Aspekt im Vordergrund. Bis eine für uns
erkennbare klare Distanzierung und kritische Auseinandersetzung mit der Ästehtisierung rechter
Ideologie stattfindet, sind Veranstaltungen mit Nietzsche and the Wagners - und selbstverständlich
auch anderen Künstler*innen, die sich positiv auf neonazistische Musik beziehen und der Grauzone
keine klare Kante zeigen - für uns nicht mit dem Selbstverständnis des Atari als politisches
Ladenprojekt vereinbar. An dieser Stelle sei auch noch einmal erwähnt, dass wir Nietzsche and the
Wagners weder rechtes Gedankengut noch Sympathien zur Rechten unterstellen möchten.
Allerdings trägt ein positiver Bezug auf Bands wie Death in June massiv zu einer Normalisierungdes Verhaltens ihnen gegenüber bei, das Selbe gilt auch für eine Zusammenarbeit mit Labels wie
Osmose.
Nietzsche and the Wagners haben gestern Abend im Zuge der Absage auch ein Statement
veröffentlicht auf das wir an dieser Stelle noch kurz eingehen wollen. [4] Zum einen ist es zwar
schön und lobenswert, dass ihre Vorfahren im Zweiten Weltkrieg gegen den Faschismus gekämpft
haben, dies trifft jedoch erst einmal keine Aussage über ihre politische Gesinnung. Unseres Wissens
ist Antifaschismus weder genetisch bedingt noch vererbbar, genauso wenig sind jüdische Vorfahren
ein Argument, mit dem der Kritik die wir formulieren begegnet werden kann.
Ebenso wenig möchten wir in eine Linie mit autoritärem Sozialismus gestellt werden wenn wir eine
Band damit konfrontieren, dass sie indirekt Gedankengut affirmieren. Das ist unserer Meinung nach
meilenweit von dem, was wir als einen emanzipatorischen Anspruch bezeichnen würden, entfernt.
In diesem Sinne - Sorry an alle Menschen, die sich auf das Konzert gefreut haben. Nächstes mal
recherchieren wir früher, versprochen.
1 http://www.dieseele.net/…/interview-with-nietzsche-and-wagn…
2 http://aak.blogsport.de/…/da-haette-ich-auch-meinen-sa-man…/
3 https://www.discogs.com/artist/810566-Darkestrah
4 https://de-de.facebook.com/natwband/posts/1746782471998806
zum weiterlesen: https://jule.linxxnet.de/…/runen-und-manner-kunst-ist-kuns…/