Wie in unserem Statement vom 13.01. angekündigt, haben wir uns intensiver mit den Vorfällen von Monis Rache auseinandergesetzt.
Wir wurden vermehrt darauf angesprochen, in welchem Umfang der Täter und die Mitwissenden in den Zusammenhängen unseres Ladens involviert sind/waren.
Weder der Täter noch die Mitwissenden waren in den letzten Jahren in die Orgastrukturen eingebunden.
Der Täter H. war seit den letzten 5 Jahren nicht mehr im Atari präsent. Wie schon im ersten Statement wollen wir noch einmal betonen, dass wir seine gewaltvollen, übergriffigen, entwürdigenden, sexistischen Taten verachtenswert und zum Kotzen finden.
Eine Mitwissende hat in den letzten Jahren bei ca. 4 Veranstaltungen mitgeholfen, die genaue Zahl wissen wir nicht mehr. Das Verhalten der Mitwissenden war Täterschutz und hat nicht im geringsten die Perspektive der Betroffenen bedacht - und hat so sexistisches gewaltvolles Handeln toleriert und gestützt.

Es wurde sich von Betroffenen gewünscht, den Namen des Täters und der Mitwissenden nicht mehr zu nennen (ihr könnt den Namen auf Nachfrage erfahren), weil es triggert und weil einige auch nicht ständig darauf angesprochen werden wollen. (Mit „Betroffene“ meinen wir die Menschen, die potentiell auf den Videos zu sehen sind).

Bezüglich der Vorfälle können wir nicht genau fassen, was wann und wie geschehen ist, da unterschiedliche Versionen der Ereignisse kursieren. Deshalb gehen wir nicht auf die genaue Abfolge der Ereignisse ein, sondern wollen vor allem schildern, welche Konsequenzen wir aus den Vorfällen ziehen.
Wir haben unsere Toiletten auf Kameras abgesucht und mit einem Spezialgerät überprüft, dabei sind wir nicht fündig geworden.
Der Täter und alle Mitwissenden, bekannte und ggf. uns noch nicht bekannte, haben Hausverbot.
Auch Leute die wissentlich mit dem Täter weiterhin in einem freundschaftlichen Verhältnis stehen, sind hier nicht willkommen.
Aufgrund des Ablaufs der Ereignisse ist uns ein anderer Umgang nicht möglich. Der Täter und die Mitwissenden haben seine Taten geleugnet, gelogen, handelten intransparent und haben in keinster Weise an die Betroffenen gedacht. Andere Konsequenzen als der komplette Ausschluss sind uns daher nicht möglich. Die Konzepte „transformative justice“ und „community accountability“ halten wir für unterstützenswerte Ansätze, wenn sie umfassend und transparent umgesetzt werden. Dies war bei dem Umgang mit H. nicht der Fall.

H.s Taten stellen eine extreme Form gewaltvollen sexistischen Handelns dar – es ist jedoch nur eine Spitze des Eisbergs von Sexismus, der uns täglich überall umgibt und von dem linke Strukturen keinesfalls frei sind, auch wenn sie sich noch so gerne damit labeln. Wir alle sind innerhalb sexistischer Strukturen sozialisiert und müssen uns deswegen täglich mit (den eigenen) sexistischen Denkmustern auseinandersetzen. Dazu gehört es, sich eigene Vorurteile und Rollenbilder immer wieder bewusst zu machen und zu hinterfragen. Damit zusammen hängt auch, den eigenen Standpunkt, das eigene Redeverhalten, die eigene Raumeinnahme zu reflektieren.

Es ist ebenso wichtig, andere auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen, besonders im eigenen Freund*innenkreis. Soziale Nähe sollte nicht dazu führen, dass übergriffiges Verhalten beispielsweise mit einem „ist doch nicht so gemeint“ oder anderen Relativierungen abgetan wird.
Sensibilität und Unterstützungsbereitschaft im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sind hier gefragt, damit (potentiell) Betroffene nicht alleine dastehen.
Reagiert auf sexistische Aussagen, schützt keine Boyscliquen, seid aufmerksam in eurem Freund*innenkreis, reflektiert euer Verhältnis zu Pornografie im Allgemeinen, überdenkt euer FLINT-Bild und andere Rollenbilder, hört zu und respektiert die Perspektiven von Betroffenen. (FLINT = Frauen, Lesben, Intersex-, Non-binary-, Trans-Personen) Dies sind nur Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wir richten diesen Aufruf auch an uns selbst.
Wir sind uns bewusst, dass auch wir nicht frei von sexistischen Verhaltensweisen sind.
Das Atari versteht sich als feministisch und sexismuskritisch und wir wissen, dass dies ein Prozess ist, an dem wir ständig arbeiten müssen.

Falls noch Unklarheiten oder Fragen bestehen, könnt ihr euch gerne an uns wenden.

Das Atari-Plenum

P.S.:Hier ist eine kleine Liste mit sexismuskritischem Infomaterial und Supportstrukturen für Betroffene sexualisierter Gewalt.

Infomaterial
- Buch: Raewyn Connell - Masculinities (dt. Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten; 1999)
- Artikel: Wieso soll ich sexistisch sein? Ich bin Anarchist!  (zu finden unter: https://anarchismus.at/anarcha-feminismus/antisexismus/7079-wieso-soll-ich-sexistisch-sein-ich-bin-anarchist
- Zine: Konsens lernen / Learning good consent (zu finden unter: https://konsenslernen.noblogs.org/)

Zine: Dismantling the boy’s club (Englische Version unter archive.org)

Supportstrukturen:
- Koordinierungskreis gegen sexualisierte Gewalt Leipzig/ Autonomes Frauenhaus Frauen für Frauen:
Tel: 0341 - 4798179
E-Mail: kontakt@frauenfuerfrauen-leipzig.de
Website: https://kok-leipzig.de/
www.frauenberatung-leipzig.de
- Antisexistischer Support Leipzig

- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000116016

- im Statement der „Fluchtpunkt“ Crew stehen zudem weitere Anlaufstellen außerhalb von Leipzig:
https://dune-festival.de/wp-content/uploads/2020/01/FP_MONISTATEMENT.pdf